Ich liebe es, wenn Zauberer ihre Zaubertricks verraten. Und wie so oft, wird einem vieles klarer, wenn man einen Perspektivwechsel vollzieht.
Mit ‘Prognosebörse’ getaggte Artikel
Wie man mit Twitter den Erfolg von Innovationen prognostizieren kann.
“Pressetext” meldet, dass zwei Forscher aus den HP Labs in Palo Alto herausgefunden haben, dass sich der Erfolg von Kinofilmen mit Hilfe des Mikroblogging-Dienstes Twitter sehr genau vorhersagen lässt. Sie nutzen dafür diverse Algorithmen und ein System, das Tweets zu neu startenden Kinofilmen auswertet. In einem Experiment analysierten die beiden Forscher rund drei Millionen Tweets, in denen die 24 größten Kinostarts der letzten drei Monate behandelt wurden. Die Analyse der Kinostarts von “Avatar”, “Alice im Wunderland” und “Twilight New Moon” sorgte dafür, dass sie sehr genau vorhersagen konnten, wie viel Geld die Streifen “Dear John” und “The Crazies” am ersten Wochenende einspielen werden. So berechneten sie für “Dear John” ein Einspielergebnis von 30,46 Millionen US-Dollar. Später stellte sich heraus, dass tatsächlich 30,71 Millionen US-Dollar eingespielt wurden. Auch bei “The Crazies” war man ziemlich genau: 16,8 Millionen berechnet, 16,07 Millionen US-Dollar eingespielt.
And the Oscar goes to…
Schwarmkreativität und Prognosebörsen sind wunderbare Tools der Ideenbewertung. Sie helfen uns zu verstehen, was die Masse über die neuen Produkte oder Innovationen denkt und wie erfolgreich sie eingeschätzt werden. Die Ergebnisse von Schwarmkreativität und Prognosebörsen helfen uns vorherzusagen, ob unsere Produkte/Innovationen floppen oder toppen. Das klappt auch bei Hollywoodfilmen.
Schwarmkreativität:
Hier das Ergebnis zur bevorstehenden Oscar-Nacht von Peter A. Gloor und seiner Seite www.swarmcreativity.blogspot.com:
Prognosebörse:
Und hier das Ergebnis von www.intrade.com:
Fazit:
Zum jetztigen Zeitpunkt meint intrade.com, dass THE HURT LOCKER mit einer Wahrscheinlichkeit von 51,5% den Oskar für den besten Film bekommt. Aber der Kurs kann sich ja noch ändern.
Peter A. Gloor hat sich festgelegt. Er glaubt, dass AVATAR den Oskar für den besten Film bekommen wird.
Es bleibt spannend! Ich tippe auf Avatar.
(Nachtrag vom 8.3: THE HURT LOCKER gewinnt den Oscar für den besten Film. Gratulation an intrade.com, die mit ihren Vorhersagungen auch dieses Jahr wieder sehr treffsicher waren!!!)
Peter. A. Gloor meint noch abschließend auf seinem Blog:
It is really a close decision in best picture and director, but considering the combined Web, Blog, and IMDb metrics there is a slight preference for the movie Avatar to be this year’s best picture winner – Hurt Locker is very close though.
Ideenbewertung: Prognosemärkte sind im Kommen.
Ralf Grötker hat auf heise.de einen bemerkenswerten Artikel über Prognosemärkte geschrieben – ein hochinteressantes Tool der Ideenbewertung. Hier eine Zusammenfassung:
Das Institut für Soziologie der Uni München hat die Bundestagswahl 2009 besser vorausgesagt als alle Meinungsforschungsinstitute zusammen. Was ist das Geheimnis? Die Ergebnisse kommen nicht über eine Umfrage, sondern über eine sogenannte Prognosebörse zustande. Statt Teilnehmer einfach nach ihrer Meinung zu fragen, sollen sie – wie an einer Aktienbörse – über die Entwicklung bestimmter Kennzahlen spekulieren. Das Prinzip solcher Börsen, die im Grunde nichts anderes sind als Wetten auf einen bestimmten Kursverlauf, ist einfach am Beispiel der Wahlprognose zu erklären: Auf der Webseite “Wahlstreet.de” können Teilnehmer mit virtuellem Geld Aktien der Parteien kaufen und verkaufen. Angebot und Nachfrage regeln den Kurs. Der Unterschied zum realen Börsenparkett: An einem bestimmten Stichtag – in diesem Fall am Wahlsonntag – ist alles vorbei. Die aktuelle Notierung entspricht immer der kollektiven Erwartung, wie die entsprechende Partei abschneiden wird – und taugt damit hervorragend als Vorhersage-Instrument.
Bei Siemens etwa wurde schon Mitte der Neunziger darauf gewettet, wie lange sich der Abschluss von IT-Projekten hinziehen würde. Bei Google, wo der bislang größte unternehmensinterne Vorhersagemarkt stattfindet, setzen die Angestellten auf die Anzahl künftiger “Gmail”-Nutzer oder darauf, wann ein neuer Google-Service Marktreife erlangen wird. Bei Hewlett-Packard spekulierten Mitarbeiter auf die Anzahl von verkauften PCs. Weitere Firmen die auf Prognosemärkte setzen: Münchener Rück, Motorola, General Electrics und Rite-Solutions. Die Firmen, die solche Prognosebörsen in Unternehmen etablieren haben Namen wie NewsFutures, Consensuspoint, Inkling, Gexid und Crowdcast.
Messungen ergaben übrigens: Prognosebörsen lagen in drei Viertel aller Fälle näher am wahren Ergebnis als die Umfragen.
Doch der eigentliche Vorteil von Prognosebörsen: Sie bedeuten erheblich weniger Aufwand als klassische Instrumente der Meinungsforschung. Schließlich müssen für Umfragen Panels mit mehr als 1500 Teilnehmern erstellt werden, die zudem noch repräsentativ für die Bevölkerung sein müssen. Bei Prognosebörsen reicht ein Bruchteil davon. Wie viel genau, hängt vom Thema ab. Mit Prognosebörsen konnte Motorola übrigens das Ideen-Management um 20 Prozent beschleunigen: Heute dauert es nur noch siebzig Tage, bis über die Umsetzung eines Vorschlags aus den Reihen der Mitarbeiter entschieden wird.
Anbei die Anleitung und Mechanik der Prognosebörse des Handelsblatt:
Neues Tool für die Ideenbewertung.
Ein neues Tool setzt sich durch, das den Spieltrieb der Angestellten weckt, um damit Marktforschung zu betreiben. Die Idee: Die Mitarbeiter von großen Unternehmen sollen mit “Prognosemärkten” ein künftiges Ergebnis vorhersehen – etwa die Absatzzahlen eines neuen Produkts oder die eines Konkurrenzproduktes. Wer am besten ist, bekommt hinterher einen Preis, eine Prämie oder eine Bonus-Sonderzahlung. Diese Prognosemärkte funktionieren nicht wie einfache Tippspiele beim Fußball, sondern wie ein Aktienmarkt. Wie an der Börse handeln die Mitarbeiter mit Aktien – allerdings mit Spielgeld und virtuellen Aktien, deren Kurs dann dem erwarteten Ergebnis entspricht. Auf welcher These beruhen diese Prognosemärkte? Man nutzt die Weisheit der Masse. Denn die Masse, das zeigen zahlreiche Studien, ist oft intelligenter als manche Marktforschung. Viele Schätzungen sind in der Summe oft treffsicherer als Einzelprognosen. In Amerika ist dieses System schon fest etabliert. So kann man auf der Seite www.hsx.com zum Beispiel prognostizieren, ob der neue Hollywood-Film ein Top oder ein Flop wird – und in der Tat richten sich die Hollywood-Studios nach den dortigen Ergebnissen und setzen einen prognostizierten Flop vorzeitig aus dem Verkehr. Und auf der Seite www.intrade.com kann man prognostizieren, ob Obamas Gesundheitsreform durchkommt oder scheitert. Und was hat das ganze mit Kreativität zu tun? Das Ganze ist unter dem Begriff Schwarmintelligenz zu verbuchen und hat vor allem etwas mit erfolgreicher Ideenbewertung zu tun, der wohl entscheidensten Phase im kreativen Prozess.
Ach ja – und beim Handelsblatt kann man jetzt auch mit Spielgeld prognostizieren. Mehr Infos unter eix.handelsblatt.com.
Und wer wissen will wie Prognosemärkte genau funktionieren, muss diesen hochinteressanten Film hier auf abcnews anschauen.



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