Ich liebe es, wenn Zauberer ihre Zaubertricks verraten. Und wie so oft, wird einem vieles klarer, wenn man einen Perspektivwechsel vollzieht.
Mit ‘Kreativitätsforschung’ getaggte Artikel
Brainstorming in der Kritik II.
Und schon wieder ein Anti-Brainstorming Artikel. Diesmal in der Süddeutschen.
Hier ein Ausschnitt:
In seinen Brainstorming-Experimenten forderte der Sozialpsychologe Wolfgang Stroeber seine Probanden auf, sich kreative Lösungen für ökologische oder soziale Probleme auszudenken. Die Versuchspersonen mussten Vorschläge machen, wie sich Energie einsparen lässt oder wie das Zusammenleben von Deutschen und Migranten verbessert werden kann. Dabei zeigte sich: Gruppen erzeugten zwischen 20 und 50 Prozent weniger Ideen als einzeln nachdenkende Menschen. “Und dieser Produktivitätsverlust wird nicht durch eine höhere Qualität der Ideen ausgeglichen”, sagt Stroebe. Vor allem in Unternehmen mit strenger Hierarchie beäugen sich die “Brainstormer” skeptisch: Hat Kollege Meier bessere Ideen als ich? Hinzu kommt die Sorge, etwas Dummes zu sagen. “In Gegenwart des Chefs”, sagt Stroebe, “trauen sich viele Menschen beim Brainstorming nicht, ihre Einfälle kundzutun.” Das Hauptproblem aber sind die Wartepausen, in denen der Einzelne nicht selbst reden kann. “Die Zeit des Zuhörens ist tote Zeit”, so Stroebe. Die Teilnehmer seien damit beschäftigt, sich ihre Einfälle zu merken – das blockiere sie gedanklich. Nach Ansicht von Psychologen ist es deshalb am besten, Menschen erst einmal für sich alleine Ideen entwickeln zu lassen. Danach könnten sie sich mit anderen austauschen.
Ich bleibe dabei. Ich liebe Brainstormings. Mögen sie auch noch so chaotisch sein.
Ist alleine denken produktiver als in der Gruppe?
Heute ein wissenschaftlicher Beitrag aus dem österreichischem Wirtschaftsblatt.
Brainstorm-Kritiker bekommen nach neuesten Studien neuen Rückenwind. Nicholas Kohn von der University of Texas at Arlington und Steven Smith von der Texas A& M Universität fanden in einer Feldstudie mit 160 Teilnehmern nämlich heraus: Alleine denken ist immer noch produktiver.
Hier ein Ausschnitt des Artikels:
Die Anzahl der Ideen innerhalb der ersten fünf Minuten ist bis zu 44 Prozent höher, wenn die Mitarbeiter für sich nachdenken. Auch die Unterschiede zwischen den Ideen waren viel ausgeprägter, wenn sich die Kollegen nicht gegenseitig auf den Notizblock schielen konnten. Die Solo-Denker hatten um 55 Prozent mehr individuelle Ideen. Den Grund deckten Kohn und Smith in einem zweiten Experiment auf: Konformitätsdruck. Die Teilnehmer tendierten dazu, “sich jenen Ideen anzupassen, denen sie ausgesetzt waren. Je höher die Anzahl der bereits präsentierten Ideen, desto größer das Ausmaß der Konformität.” Die Fixierung auf die Ideen anderer könne völlig unbewusst passieren und führe dazu, dass Menschen Ideen vorschlagen, die jene der Brainstorming-Partner imitieren. “Also werden sie potenziell weniger kreativ”, schließt Kohn.
Diese Studie halte ich für völlig irrelevant. Brainstorming ist eine Art Schwarmkreativität. Mit Brainstorming kann man sich unheimlich schnell befruchten und Perspektiven viel schneller wechseln. Es mag stimmen, dass eine Idee vielleicht immer von einer Person stammen mag. Aber die Inspiration der meisten Ideen kommt immer aus der Gruppe.
Wer schlank bleibt, bleibt kreativ.
Heute mal populärwissenschaftlicher Boulevardjournalismus. Trotzdem nicht uninteressant, was bei FitforFun zu lesen ist:
Eine schwedische Studie hat herausgefunden, dass ein dicker Bauch negative geistige Auswirkungen hat. „Wir haben bewiesen, dass Übergewicht in der Lebensmitte negative Auswirkungen auf Gedächtnis und Intellekt hat. Weiter verschwinden diese geistigen Fähigkeiten bei Menschen, die im mittleren Lebensalter übergewichtig waren, nachweislich schneller im Alter“ schreibt Co-Autorin Anna Dahl vom Institut für Gerontologie der Universität Jönköping. In Tests zeigten Personen mit einem hohem Body Mass Index ab 30 geringere Gedächtnisleistung und geistige Flexiblität als gleichaltrige Personen mit niedrigerem BMI. Hinzu kommt ein steigendes Risiko zu Demenzerkrankungen im Alter, wie zum Beispiel Alzheimer. Die Untersuchungen wurden an 1151 eineiigen Zwillingen durchgeführt, um eine direkte Vergleichbarkeit der Ergebnisse zu garantieren. Dabei schnitten Übergewichtige mit zunehmendem Alter in den Tests deutlich schlechter ab als ihre normalgewichtigen Geschwister.
Also liebe Kreative:
Bloß nicht dick und träge werden und gleich ins Fitness-Studio!
Weird Al Yankovic – I'm Fat
Hochgeladen von Usher1985. – Sieh mehr Komedie Videos.
Kopieren und imitieren lohnt sich.
Soeben habe ich im Handelsblatt folgendes gelesen:
Erfolgreiche Unternehmen müssen nicht unbedingt etwas gänzlich Neues schaffen, sie müssen vor allem clever kopieren – das ist es, was Oded Shenkar, Management-Professor an der Ohio State University, mit seinem neuen Buch „Copycats“, Nachahmer, beweisen will.
Während die allermeisten Experten Innovationskraft zum ultimativen Schlüssel für unternehmerischen Erfolg erklären, singt der renommierte Wissenschaftler ein Loblied aufs Imitieren. Shenkar hat beeindruckende Zahlen auf seiner Seite: zum Beispiel eine Studie, nach der in den USA zwischen 1948 und 2001 die Innovatoren nur 2,2 Prozent des wahren Wertes ihrer Erfindungen selbst einstreichen konnten – der Rest ging, schlussfolgert Shenkar, an Nachahmer. Schon eine Untersuchung aus den frühen 80er-Jahren hatte gezeigt, dass von 48 Erfindungen 34 kopiert worden waren.
Hier ein besonders trauriges Beispiel:
Walter Anderson kam als Erster auf die Idee, in einfachen Schnellrestaurants mit standardisierten Abläufen Hamburger zu Einheitspreisen unter die Massen zu bringen. „White Castle“ nannte er sein Unternehmen, das den milliardenschweren Markt der Fast-Food-Restaurants begründete. Doch heute, 89 Jahre später, spielt White Castle nur noch eine Nebenrolle. 422 Filialen unterhält der Pionier, die meisten davon im Mittleren Westen der USA, Marktführer McDonald’s kommt auf mehr als 31 000 Restaurants – weltweit. Mit geschicktem Abkupfern konnten sie Andersons Unternehmen schnell übertrumpfen – und damit auch die Profite einstreichen. Der Imitator hat gegen den Innovator gewonnen.
Pfui pfui sag ich da nur. Aber so ist das Leben. Kreativ ist eben auch wer stiehlt und klaut. Und wenn er clever klaut und kopiert und der Konsument davon profiert, soll es mir nur recht sein.
Ich selbst bin auch mal in die Copycat-Falle gestolpert. Während meiner Zeit bei Jung von Matt haben wir mal eine lustige Anzeige für Saturn gemacht. Da hätten wir aber besser recherchieren müssen. Unsere Idee gab’s davor nämlich schon dreimal! Und das war für uns dann im Nachhinein natürlich ganz schön peinlich.
Hier unsere Idee:
Und hier die Ideen, die es schon davor gab:
Sex und Kreativität.
Heute mal was richtig schlüpfriges. In BILD war zu lesen:
Popsirene Lady Gaga versucht Sex angeblich so gut es geht zu vermeiden. Ihre Begründung: Sie will ihre kreative Energie nicht verringern. Das Original-Zitat:
„Ich habe diese seltsame Angst, dass, wenn ich mit jemandem schlafe, mir meine Kreativität durch meine Vagina entnommen wird”, offenbarte sie in einem Interview mit der Zeitschrift „Vanity Fair“.
Wir wissen alle natürlich, dass Lady Gaga im Kopf nicht ganz normal ist, aber auch ich verehre sie als große Kreative und bin einer ihrer 10 Millionen Facebook-Fans.
Und wie ist das mit dem Sex und der Kreativität wirklich? Gibt’s dazu Studien? Ja, die gibt’s:
Kreative Menschen haben im Schnitt fast doppelt so viele Sexpartner wie andere, stellt eine Studie der Universität Newcastle fest.
Ein Seitensprung erhöht die Kreativität. Dies ergab eine Befragung, die das niederländische Dating-Portal “Second Love” unter 1.200 Nutzern durchführte. Mehr als acht von zehn Befragten gaben dort an, Seitensprünge stärkten ihre schöpferische Seite und steigerten ihren Einfallsreichtum.
Sex macht nachweislich kreativ und glücklich. Das haben unter anderem Sexualforscher festgestellt und verweisen dabei vor allem auf die so genannten Endorphine, die der Körper bei sexueller Erregung und beim Orgasmus ausschüttet. Die durch diese Glückshormone ausgelöste Hochstimmung hält bis zu 24 Stunden an und strahlt durchaus subtil auf die Umwelt aus: Sexuell befriedigte Menschen sind nicht nur besonders motiviert, sondern wirken meist auf andere auch anziehender und selbstbewusster.
Erfinderische Kunden.
Heute erschien in der ZEIT ein interessanter Artikel über innovative Kunden und sogenannte “Lead User”.
In dem Artikel wird beschrieben, dass wissenschaftliche Studien davon ausgehen, dass bis zu 40 Prozent der Kunden nicht nur bestehende Produkte nach ihren Bedürfnissen weiterentwickeln, sondern sogar vollständig neue Produkte hervorbringen. Bislang ging die vorherrschende wirtschaftswissenschaftliche Theorie davon aus, dass ausschließlich Unternehmen neue Produkte und Dienstleistungen entwickeln und der Kunde eine eher passive Rolle im Innovationsprozess einnimmt. Der Kunde teilte seine Wünsche und Präferenzen dem Hersteller allenfalls über Marktforschungsumfragen mit. Weil Umfragen sich aber an der großen Masse orientieren, erfassen sie so gut wie nie die Bedürfnisse von fortschrittlichen Kunden. Diese fortschrittlichen Kunden bezeichnet man als Lead User. Sie sind besonders qualifiziert und eilen der Masse voraus.
Beispiel Windsurfen:
Ende der 70er Jahren erfanden besonders talentierte Windsurfer auf Hawaii Fußschlaufen für die Bretter. Heute gehören sie zur Standardausstattung eines jeden Windsurfbretts. Die Hersteller hatten damals einfach nicht bedacht, dass die Sportler mit ihren Brettern besonders hohe Sprünge ausführen wollten, aber ohne Schlaufen in der Luft die Kontrolle über ihre Surfbrett verloren, sich dabei verletzten oder ihre Ausrüstung beschädigten. Die Surfer werkelten selbst – und stellten ein modifiziertes Surfbrett her, das sofort auf rege Nachfrage stieß.
Empirische Untersuchungen von Innovationen im Bereich Skateboarding, Snowboarding und Windsurfen sowie Kite-Surfen haben nachgewiesen, dass praktisch alle grundlegenden Produktentwicklungen von den Nutzern und nicht von den am Markt befindlichen Sportartikelherstellern stammen.
Lead User sind also so etwas wie Markt-Seismographen. Sie haben gewissermaßen einen natürlichen Riecher für die Bedürfnisse nach bestimmten Produkten, die sich künftig durchsetzen werden. Also ist es nur konsequent, sie zur Bedürfnisvorhersage für den Markt von morgen heranzuziehen. Einige Unternehmen machen davon bereits rege Gebrauch, zum Beispiel der Werkzeughersteller Hilti, der Multitechnologiekonzern 3M, der Ausrüster für Telekommunikations-unternehmen Nortel Network, der Lebensmittelhersteller Kellogs oder der Konsumgüterhersteller Johnson & Johnson. Sie setzen schon seit Jahren auf die aktive Einbindung von Lead Usern in ihre Innovationsprojekte und haben auf diese Weise ihre Produktpaletten erfolgreich weiterentwickelt.
Was ist der größte Feind der Kreativität?

YouTube-Chef Chad Hurley hat der WELT ein interessantes Interview zum Thema “Kreativität” gegeben.
Hier ein Ausschnitt:
Welt am Sonntag: Was ist der größte Feind der Kreativität?
Hurley: Viele verschiedene Meinungen von Teams, die immer größer werden. Manchmal sind es auch die Nutzer selbst, die sich zu sehr daran gewöhnen, wie Dinge aussehen und sich anfühlen. Sie beschweren sich dann bei jeder Änderung, die wir auf der Seite machen, selbst wenn es zum Besseren ist.
Welt am Sonntag: Was machen Sie in so einem Fall?
Hurley: Manchmal ist es besser, auf seine Erfahrung zu setzen. Gleichzeitig ist es aber auch wichtig, auf die Nutzer zu hören. Es ist ein Balanceakt. Man muss aber über den Punkt hinauswachsen, wo man noch Angst vor der Kritik der anderen hat.
Welt am Sonntag: Was ist mit Stress, Eile, Routine? Sind das Verhinderer?
Hurley: Man muss ihnen mit Ignoranz entgegentreten. Sonst wird man verrückt. Das ist wie bei E-Mails. Ich habe es aufgegeben, sie alle erledigen zu wollen.
Welt am Sonntag: Gibt es etwas, was Menschen kreativ macht? Oder wird man so geboren?
Hurley: Jeder ist kreativ. Es ist nur die Frage, ob man die Kreativität ausdrücken kann und Vertrauen darin hat. Es gibt so viele Menschen, die jeden Tag gute Ideen haben. Aber sie sind häufig zu ängstlich, diese Ideen auch zu leben und auszuführen. Daher wird diese Kreativität nicht sichtbar.
(Foto: dpa)
Inspiration macht aus neurologischer Sicht nur kleinen Teil der Kreativität aus.
Woher kommt die Kreativität?
Der Reporter Hartmut Schade vom MDR befragte hierzu den Hirnforscher Prof. Henning Scheich vom Magdeburger Leibniz-Institut für Neurobiologie. Drei Dinge, sagt Scheich, sind es, die das menschliche Gehirn schöpferisch werden lassen. An erster Stelle steht die Lust auf Neues – also die Neugier, die aber nur dann Neues hervorbringt, wenn – zweitens – die Fähigkeit vorhanden, ist, Assoziationen zu knüpfen. Und nicht zuletzt ist Hartnäckigkeit gefordert. Denn nur, wer sich an einer Idee festbeißt, kommt zum Ergebnis. Fähigkeiten, die sich auch in der Hirnrinde nachweisen lassen. Vieles ist also eine Sache der Transpiration. Die Inspiration macht aus biologisch-neurologischer Sicht nur einen kleinen Teil der Kreativität aus.
Kreativität ist die wichtigste Qualifikation in den kommenden fünf Jahren.

Nach einem ibm CEO-Report ist für 60 Prozent aller CEOs Kreativität die wichtigste Qualifikation in den kommenden fünf Jahren.
Frank Kern, Senior Vice President bei IBM Global Business Services kommentiert das Ergebnis so:
»Wir kommen gerade aus der schlimmsten Wirtschaftskrise unseres Berufslebens heraus und sind mit einer neuen Situation konfrontiert, die sich komplett von der alten unterscheidet. Da ist es schon bemerkenswert, dass die CEOs Kreativität als die Kernkompetenz für die Unternehmensführung der Zukunft ansehen.«
Doch gute Ideen alleine reichen nicht. Der IBM-Report zeigt, dass auch die Fähigkeit, schnelle Entscheidungen zu treffen, die Top-Unternehmen auszeichnet. Dies gilt ganz besonders in komplizierten oder unübersichtlichen Marktlagen. “Lieber schnell entscheiden als gründlich” – das ist die überraschende Erkenntnis aus den Befragungen der CEOs.
(Bild: IBM, via eweek)



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